Die KI-Zukunft braucht einen Stromanschluss
Deutschland soll bei der Künstlichen Intelligenz nach vorn, endlich. Denn die Zeit läuft davon: Mehr Anwendungen in den Unternehmen, mehr Tempo in der Verwaltung, weniger Abhängigkeit von ausländischen Anbietern, so lautet die Ansage. Auf dem Digitalgipfel hat die Bundesregierung ihren Anspruch abermals bekräftigt. Besonders die Verbindung von industriellem Wissen und KI soll dem Standort bis zum Jahr 2030 neue Möglichkeiten eröffnen, denn hier ist das Rennen mit den Amerikanern und Chinesen noch nicht gelaufen. Das setzt viel mehr Innovations- und Kooperationsbereitschaft auch in der Industrie voraus, aber es gibt auch einen Bedarf an handfesten Grundlagen. Sie bestehen aus Servern, Gebäuden, Stromleitungen, Kühlung.
Eine neue, vom Digitalverband Bitkom beauftragte Studie meldet erhebliche Investitionen: In diesem Jahr sollen in Deutschland 23,5 Milliarden Euro in Rechenzentren und ihre Ausstattung fließen. Der größte Teil davon entfällt auf IT-Hardware. Trotzdem könnte der Abstand zu den Vereinigten Staaten und China weiter wachsen. Die Diagnose lautet also nicht, dass hier nichts geschieht. Die Frage ist, ob das, was geschieht, für die ambitionierten Ziele der Bundesregierung ausreicht. Das lässt sich nicht allein an möglichst großen Megawattzahlen entscheiden. Welche Rechenleistung brauchen deutsche Unternehmen tatsächlich? Was muss im eigenen Land verfügbar sein? Und wann entsteht aus einem zusätzlichen Rechenzentrum mehr technologische Unabhängigkeit – anstelle eines weiteren Standorts für Dienste, über die andere bestimmen, Amazon, Google, Microsoft?
Hessen ist Deutschlands größter Rechenzentrumsstandort. Weitere Kapazitäten sollen hinzukommen. Damit wachsen aber auch die Anforderungen an Energieversorgung, Flächen und kommunale Planung. Wer diese Konflikte für eine deutsche Spezialität hält, sollte nach Texas schauen. Dort ist der Widerstand gegen neue Rechenzentren zu einem politischen Thema geworden. Anwohner sorgen sich um Stromkosten und Wasserressourcen; auch der bislang besonders investorenfreundliche Bundesstaat hat zusätzliche Prüfungen und Beschränkungen auf den Weg gebracht.
Darüber sprechen wir in dieser Folge des F.A.Z.-Digitalwirtschaftspodcasts: Was bleibt vom Digitalgipfel?
Hosts: Alexander Armbruster, Carsten Knop, Maximilian Sachse
Mitarbeit: Kevin Gremmel, Niklas Kleber
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